Das Hi-Pot-Testverfahren, also die Hochspannungs- oder Durchschlagsfestigkeitspruefung, ist ein entscheidender Sicherheitsnachweis. Dabei wird die elektrische Isolierung mit hoher Spannung belastet, um sicherzustellen, dass kein Strom auf das Gehaeuse oder auf fuer den Benutzer beruehrbare Teile uebertritt. Im Unterschied zu Durchgangs- oder Funktionspruefungen werden hier bewusst Spannungen angelegt, die deutlich ueber dem normalen Betriebsniveau liegen, typischerweise 1000 V bis 5000 V, um grenzwertige Isolierungen, Mikrodefekte oder Verstoesse gegen Luft- und Kriechstrecken zu erkennen, bevor ein Produkt in den Markt gelangt.
Wichtige Erkenntnisse
- Kerndefinition: Belastungspruefung, bei der Hochspannung in AC oder DC zwischen stromfuehrenden Leitern und der nicht stromfuehrenden Erde angelegt wird, um die Isolation zu verifizieren.
- Standardformel: Die grundlegende Pruefspannung fuer viele Unterhaltungselektronikprodukte betraegt $2 \times V_{Betrieb} + 1000V$.
- Zeitregel: Typpruefungen in F&E dauern in der Regel 60 Sekunden, waehrend Pruefungen auf der Produktionslinie haeufig auf 1 bis 2 Sekunden reduziert werden, um den Durchsatz zu halten.
- Leckstromgrenze: Eine bestandene Einheit muss den Leckstrom unterhalb eines festgelegten Grenzwerts halten, typischerweise zwischen 0,5 mA und 5 mA, abhaengig von der jeweils gueltigen Sicherheitsnorm, zum Beispiel UL 60950 oder IEC 62368.
- Sicherheitskritisch: Vor dem Beruehren der Hochspannungssonde immer das Sicherheitsverriegelungssystem pruefen und sicherstellen, dass das Rueckfuehrkabel geerdet ist.
- Haefiges Missverstaendnis: Hi-Pot ist nicht dasselbe wie eine Megger-Pruefung. Hi-Pot belastet die Isolierung bis nahe an den Durchschlagspunkt, waehrend der Megger einen hohen Widerstand bei geringerer Belastung misst.
- Validierungstipp: Taeglich eine Verifikationslast, also einen Widerstand mit bekanntem Wert, verwenden, um sicherzustellen, dass das Geraet einen Fehlerzustand korrekt erkennt, bevor echte Baugruppen geprueft werden.
Inhalt
- Was es wirklich bedeutet, Umfang und Grenzen
- Wichtige Kennzahlen, wie bewertet wird
- Auswahl nach Szenario
- Umsetzungspunkte von Entwicklung bis Fertigung
- Haefige Fehler und der richtige Ansatz
- FAQ zu Kosten, Zeiten, Materialien, Pruefung und Abnahme
- Glossar mit Schluesselbegriffen
- Fazit und naechste Schritte
Was es wirklich bedeutet, Umfang und Grenzen
Das Hi-Pot-Testverfahren ist der letzte Torwaechter der elektrischen Sicherheit. Ein Funktionspruefplan fuer PCB bestaetigt, dass eine Leiterplatte arbeitet, und eine Flying-Probe-Test Anleitung kann erklaeren, wie sich Kurzschluesse bei niedriger Spannung finden lassen. Die Hi-Pot-Pruefung sucht dagegen gezielt nach Isolationsschwaechen, die nur unter hoher elektrischer Belastung auftreten.
Das Prinzip ist einfach: Ist die Isolierung ausreichend, fuehrt die zwischen Leiter und Neutralleiter einerseits sowie Erde andererseits angelegte Hochspannung nur zu einem vernachlaessigbaren Stromfluss. Ist die Isolierung beeintraechtigt, etwa durch beschaedigte Leitungen, unzureichende Kriechstrecken auf der Leiterplatte oder leitfaehige Verschmutzungen, bildet sich ein Lichtbogen oder der Strom fliesst durch den Defekt, wodurch das Pruefgeraet ausloest.
Die Physik des Durchschlags
Mit steigender Spannung nimmt die elektrische Feldstaerke in der Isolierung zu. Jeder Isolierstoff besitzt eine Durchschlagspannung. Beim Hi-Pot-Test wird eine Spannung angelegt, die unterhalb der Durchschlagspannung guter Isolierung, aber oberhalb der Durchschlagspannung fehlerhafter Isolierung liegt.
- Ueberschlag: Lichtbogen ueber der Oberflaeche von PCB oder Bauteil.
- Durchschlag: Durchstich durch das Isoliermaterial selbst.
Hi-Pot in AC und DC
- AC-Hi-Pot: Belastet die Isolierung mit wechselnder Polaritaet. Dieses Verfahren ist aggressiver, weil es auch die reaktive Kapazitaet des Geraets prueft. Es bildet die Netzbeanspruchung besser nach.
- DC-Hi-Pot: Legt eine statische Hochspannung an. Dafuer ist eine langsame Rampe notwendig, um die Kapazitaet des Geraets aufzuladen. Nach dem Aufladen bleibt nur der tatsaechliche Leckstrom.
Wichtige Kennzahlen, wie bewertet wird
Um ein robustes Hi-Pot-Testverfahren einzufuehren, muessen eindeutige numerische Gut-Schlecht-Kriterien definiert werden. Unklare Anforderungen wie "auf Sicherheit pruefen" fuehren zu inkonsistenter Qualitaet.
Tabelle 1: Kritische Pruefparameter
| Kennzahl | Typischer Bereich | Warum sie wichtig ist | Verifikationsmethode |
|---|---|---|---|
| Pruefspannung AC | 1000 V – 5000 V | Bestimmt das Belastungsniveau. Zu niedrig uebersieht Defekte, zu hoch kann gute Einheiten beschaedigen. | Kalibriertes HV-Messgeraet. |
| Pruefspannung DC | 1414 V – 7070 V | Das DC-Aequivalent liegt ueblicherweise bei $1.414 \times V_{AC}$, um dieselbe Spitzenspannungsbelastung zu erreichen. | Kalibriertes HV-Messgeraet. |
| Rampenzeit | 0,5 s – 5,0 s | Verhindert Stromspitzen und damit Fehlabschaltungen durch Einschaltstroeme. | Timer auf dem Geraetedisplay. |
| Haltezeit | 1 s Produktion / 60 s Typpruefung | Zeit, fuer die die volle Spannung gehalten wird. Längere Zeiten erkennen langsame thermische Durchschlaege. | Stoppuhr oder Pruefprotokoll. |
| Leckstromgrenze | 0,1 mA – 10 mA | Schwellwert fuer den Fehler. Er wird leicht oberhalb des normalen kapazitiven Leckstroms gesetzt. | Widerstandslast mit bekanntem Wert. |
| Lichtbogenerkennung | Stufe 1 – 9, Empfindlichkeit | Erkennt hochfrequentes Rauschen, das auf einen bevorstehenden Lichtbogen vor dem Vollausfall hinweist. | Funkenstreckensimulator. |
| Entladezeit | < 0,2 s | Zeit, die benoetigt wird, um die Spannung nach dem Test auf einen sicheren Wert unter 50 V zu senken. | Oszilloskoptastkopf. |
Tabelle 2: Spannungsanforderungen nach Norm
Verschiedene Branchen verlangen unterschiedliche Berechnungen der Pruefspannung.
| Norm | Anwendung | Formel fuer die Pruefspannung | Typischer Wert bei 120-V-Geraet |
|---|---|---|---|
| IEC 60950 / 62368 | IT-Geraete | $2 \times V_{Nenn} + 1000V$ | ~1240 V AC |
| IEC 60601 | Medizintechnik | $2 \times V_{Nenn} + 1000V$, Basisisolierung | 1500 V AC, 4000 V bei verstaerkter Isolierung |
| IEC 60335 | Haushaltsgeraete | $2 \times V_{Nenn} + 1000V$ | 1240 V AC |
| Klasse II, doppelt isoliert | Ohne Schutzkontakt | $2 \times V_{Nenn} + 2000V$ | ~2500 V AC |
| Bauteilebene | Relais und Optokoppler | Nennisolationsspannung | 3750 V – 5000 V AC |

Auswahl nach Szenario
Die richtige Auswahl der Parameter und der Ausruestung fuer das Hi-Pot-Testverfahren haengt vom Pruefling und von der Fertigungsumgebung ab.
- Wenn das Pruefobjekt eine hohe Kapazitaet besitzt, zum Beispiel grosse EMI-Filter, sollte DC-Hi-Pot gewaehlt werden.
- Grund: AC-Pruefung erzeugt hohen Blindstrom, $I = V \times 2\pi fC$, der den Stromgrenzwert des Geraets ueberschreiten kann, obwohl die Isolierung gut ist. Bei DC wird der Kondensator einmal geladen und anschliessend nur der ohmsche Leckstrom gemessen.
- Wenn die Regulierungsnorm ausdruecklich nur AC erlaubt, sollte AC-Hi-Pot gewaehlt werden.
- Grund: Manche Normen erlauben keinen Ersatz durch DC, weil AC die Isolierung mit wechselnder Polaritaet belastet und damit den realen Netzbetrieb besser abbildet.
- Wenn die Entladephase am Ende vermieden werden soll, sollte AC-Hi-Pot gewaehlt werden.
- Grund: AC laedt die Geraetekapazitaet nicht auf ein statisches Niveau, deshalb kann das Pruefobjekt fast sofort nach Testende beruehrt werden. DC erfordert eine Entladezeit.
- Wenn empfindliche Elektronik geprueft wird, die keine Ueberspannungstransienten vertraegt, sollte DC mit langsamer Rampe gewaehlt werden.
- Grund: Eine kontrollierte Rampe verhindert Ueberschwingen und schuetzt empfindliche Bauteile vor Spannungsspitzen.
- Wenn eine Typpruefung fuer eine Zertifizierung durchgefuehrt wird, sollte eine Dauer von 60 Sekunden gewaehlt werden.
- Grund: Zertifizierungsstellen verlangen eine einminuetige Spannungsfestigkeitspruefung, um die Robustheit des Designs nachzuweisen.
- Wenn Routinetests in der Produktion ausgefuehrt werden, sollte eine Dauer von 1 bis 2 Sekunden gewaehlt werden.
- Grund: Die Serienfertigung kann keine 60-Sekunden-Zyklen wirtschaftlich tragen. Normen erlauben meist eine Spannungserhoehung um 10 bis 20 Prozent, wenn dafuer die Zeit auf 1 Sekunde reduziert wird.
- Wenn das Produkt Klasse II, also doppelt isoliert, ist, sollte ein hoeherer Spannungsgrenzwert gewaehlt werden, typischerweise ab 2500 V.
- Grund: Ohne Schutzleiter ist die Isolationsbarriere der einzige Sicherheitsmechanismus und muss deshalb hoeheren Belastungen standhalten.
- Wenn haeufig Fehlabschaltungen durch Luftfeuchtigkeit auftreten, sollte die Leckstromgrenze angepasst oder entfeuchtet werden.
- Grund: Hohe Feuchtigkeit kann den Oberflaechenleckstrom erhoehen. Der Grenzwert darf nicht einfach angehoben werden, ohne zuerst die Ursache nachzuweisen.
- Wenn Kabel oder Kabelbaeume geprueft werden, sollte ein Mehrpunkttester verwendet werden.
- Grund: Die Isolation zwischen jedem Leiter und jedem anderen Leiter muss geprueft werden, wofuer automatische Schaltmatrizen erforderlich sind.
- Wenn das Pruefobjekt Bauteile enthaelt, deren Nennspannung unter der Pruefspannung liegt, zum Beispiel MOV, sollten diese entfernt oder getrennt werden.
- Grund: Metalloxid-Varistoren sind dafuer ausgelegt, bei hoher Spannung leitend zu werden. Sie loesen das Hi-Pot-Geraet aus und koennen waehrend der Pruefung zerstoert werden.
Umsetzungspunkte von Entwicklung bis Fertigung
Ein verlaessliches Hi-Pot-Testverfahren erfordert ein systematisches Vorgehen. Die folgenden 10 Schritte helfen, Sicherheit und Konformitaet sicherzustellen.

1. Einrichtung der Sicherheitsverriegelung
- Aktion: Ein Schutzgehaeuse oder einen Lichtvorhang installieren und mit dem Verriegelungsport des Testers verbinden.
- Abnahmekriterium: Der Tester darf nicht starten, wenn die Gehaeusetuer offen ist.
2. Pruefung der Erdungsintegritaet
- Aktion: Sicherstellen, dass das Testerchassis mit der Schutzerdung verbunden ist. Das Rueckfuehrkabel mit dem Metallgehaeuse des Pruefobjekts verbinden.
- Abnahmekriterium: Der Widerstand zwischen Testerchassis und Betriebserde muss < 0,1 Ohm sein.
3. Parametrierung
- Aktion: Spannung ($V_{test}$), Rampenzeit ($T_{ramp}$), Haltezeit ($T_{dwell}$) und Stromgrenze ($I_{trip}$) programmieren.
- Abnahmekriterium: Die Einstellungen muessen mit der fuer das Produkt gueltigen UL- oder IEC-Norm abgeglichen werden.
4. Taegliche Verifikation, die Dummy-Last
- Aktion: Vor dem Testen von Produktionseinheiten einen Widerstand anschliessen, der bewusst zum Nichtbestehen fuehrt, zum Beispiel 90 kOhm bei 1000 V und 10 mA Grenzwert.
- Abnahmekriterium: Das Geraet muss eindeutig "FAIL" und hohen Leckstrom anzeigen. Besteht der Widerstand den Test, ist das Pruefgeraet fehlerhaft.
5. Isolation des Pruefobjekts
- Aktion: Ueberspannungsschutzbauteile wie MOV oder GDT abtrennen oder sicherstellen, dass ihre Auslegung oberhalb der Pruefspannung liegt.
- Abnahmekriterium: Die Sichtpruefung bestaetigt, dass MOV entfernt wurden oder Jumper offen sind.
6. Anschlussreihenfolge
- Aktion: Zuerst das Rueckfuehrkabel und danach das Hochspannungskabel anschliessen.
- Abnahmekriterium: Alle Verbindungen sitzen sicher; keine losen Krokodilklemmen liegen auf der Werkbank.
7. Rampenphase
- Aktion: Den Test starten. Die Spannung muss ueber die programmierte Rampenzeit, zum Beispiel 2 Sekunden, linear ansteigen.
- Abnahmekriterium: Das Display zeigt den Spannungsanstieg ohne Ueberschwingen von mehr als 5 Prozent.
8. Haltephase
- Aktion: Die volle Spannung fuer die vorgegebene Zeit halten, zum Beispiel 1 Sekunde.
- Abnahmekriterium: Der Leckstrom bleibt stabil und unterhalb der Grenze $I_{trip}$.
9. Entladephase, nur bei DC
- Aktion: Nach dem Test entlaedt der Tester die Kapazitaet des Pruefobjekts.
- Abnahmekriterium: Das Pruefobjekt nicht beruehren, bis die Spannungsanzeige < 30 V zeigt.
10. Datenprotokollierung
- Aktion: Ergebnis, also bestanden oder nicht bestanden, sowie den gemessenen Leckstrom protokollieren.
- Abnahmekriterium: Die Seriennummer muss im Qualitaetssystem mit dem Testergebnis verknuepft sein.
Haeufige Fehler und der richtige Ansatz
Probleme im Hi-Pot-Testverfahren gehen haeufiger auf Aufbaufehler als auf echte Produktdefekte zurueck.
1. Schwebende Rueckleitung
- Fehler: Die Rueckleitung ist nicht oder nur schlecht angeschlossen.
- Auswirkung: Das Gehaeuse des Pruefobjekts steht auf Hochspannung. Der Test kann faelschlich bestanden werden, weil kein Rueckstrompfad vorhanden ist, waehrend der Bediener ein Stromschlagrisiko traegt.
- Korrektur: Wenn verfuegbar, immer die Funktion zur Erdungsdurchgangspruefung nutzen.
- Verifikation: Vor dem Start den Durchgang zwischen Rueckleitungsklemme und Testerchassis messen.
2. Kabelkapazitaet ignorieren
- Fehler: Lange, aufgewickelte HV-Kabel waehrend der AC-Pruefung verwenden.
- Auswirkung: Das Kabel selbst besitzt Kapazitaet. Das Geraet interpretiert den Ladestrom des Kabels als Leckstrom, was zu Fehlabschaltungen fuehrt.
- Korrektur: Kabel kurz und ungewickelt halten. Eine Offset- oder Nullkalibrierung mit offenen Kabeln durchfuehren.
- Verifikation: Test ohne angeschlossenes Pruefobjekt laufen lassen; der Leckstrom sollte nahe 0,00 mA liegen.
3. Pruefung zwischen Phase und Neutralleiter
- Fehler: Hochspannung zwischen Leiter und Neutralleiter des Netzkabels anlegen.
- Auswirkung: Das ist ein Kurzschlusstest und keine Isolationspruefung. Die Eingangssicherung kann ausloesen oder das Netzteil beschaedigt werden.
- Korrektur: Leiter und Neutralleiter kurzschliessen und gemeinsam gegen Erde pruefen.
- Verifikation: Einen speziellen Adapter verwenden, der L+N automatisch kurzschliesst.
4. Grenzwerte zu hoch setzen
- Fehler: Den Abschaltwert auf das Geraetemaximum setzen, zum Beispiel 20 mA, um Stoerabschaltungen zu vermeiden.
- Auswirkung: Eine Einheit mit grenzwertiger Isolierung, zum Beispiel 15 mA Leckstrom, besteht den Test trotzdem und bleibt gefaehrlich.
- Korrektur: Den normalen Leckstrom guter Einheiten charakterisieren, zum Beispiel 2 mA, und die Grenze 20 bis 30 Prozent hoeher setzen, zum Beispiel 2,5 mA.
- Verifikation: Die statistische Verteilung des Leckstroms an einer Charge von 50 Einheiten auswerten.
5. Rampenzeit vernachlaessigen
- Fehler: Volle Spannung sofort anlegen, also Rampenzeit 0 Sekunden.
- Auswirkung: Stromspitzen loesen wegen des kapazitiven Einschaltstroms sofort den Alarm fuer hohen Strom aus.
- Korrektur: Eine Rampenzeit von mindestens 1,0 Sekunde einstellen.
- Verifikation: Den Stromverlauf am Tester beobachten; er muss gleichmaessig ansteigen.
6. Wiederholtes Testen ohne Erholung
- Fehler: Dieselbe Einheit mehrfach mit Hi-Pot pruefen, um einen Fehler zu untersuchen.
- Auswirkung: Die Isolierung baut sich unter wiederholter Belastung ab. Eine grenzwertige Einheit kann durch den Test selbst zu einem harten Ausfall werden.
- Korrektur: Der Isolierung Erholungszeit geben. Die Zahl der Wiederholungstests begrenzen.
- Verifikation: Die Anzahl der Wiederholungstests im Fertigungsleitsystem nachverfolgen.
7. AC bei nur fuer DC geeigneten Bauteilen
- Fehler: AC-Hi-Pot in einer Schaltung mit Y-Kondensatoren einsetzen, die nur fuer DC-Pruefung geeignet sind oder eine niedrige AC-Impedanz haben.
- Auswirkung: Ueberhoehter Leckstrom fuehrt zur Abschaltung des Geraets.
- Korrektur: Fuer stark kapazitive Schaltungen auf DC-Hi-Pot umstellen.
- Verifikation: Die Datenblaetter der Y-Kondensatoren pruefen.
8. Das Pruefobjekt waehrend der DC-Entladung beruehren
- Fehler: Das Pruefobjekt direkt nach dem "Pass"-Signal der DC-Pruefung abziehen.
- Auswirkung: Das Pruefobjekt wirkt wie ein geladener Kondensator, moeglicherweise mit ueber 2000 V. Der Bediener kann einen schweren Stromschlag erhalten.
- Korrektur: Sicherstellen, dass das Geraet ueber eine automatische Entladeschaltung verfuegt, und auf die Sicherheitsanzeige warten.
- Verifikation: Die Spannung an den Pins des Pruefobjekts unmittelbar nach Testende messen.
FAQ zu Kosten, Zeiten, Materialien, Pruefung und Abnahme
1. Was ist der Unterschied zwischen Hi-Pot und Durchschlagsfestigkeitstest? Es gibt keinen Unterschied. "Hi-Pot" ist eine uebliche Kurzform fuer High Potential, waehrend Durchschlagsfestigkeitspruefung der formale Begriff in Normen wie UL und IEC ist.
- Hi-Pot = uebliche Fachsprache.
- Durchschlagsfestigkeitspruefung = formale Bezeichnung.
- Beides beschreibt denselben elektrischen Belastungstest.
2. Beschaedigt die Hi-Pot-Pruefung die Elektronik? Ein korrekt eingestellter Hi-Pot-Test ist fuer gute Einheiten nicht destruktiv. Fuer fehlerhafte Einheiten ist er jedoch zerstoerend, denn wenn die Isolierung versagt, kann der entstehende Lichtbogen die PCB verkohlen und den Defekt dauerhaft machen.
- Gute Einheiten: keine Verschlechterung.
- Fehlerhafte Einheiten: dauerhafter Ausfall, genau das soll erkannt werden.
- Ueberpruefung in Serie: Wiederholte Tests mit voller Spannung koennen die Isolierung auf Dauer verschlechtern.
3. Was kostet ein Hi-Pot-Tester? Manuelle Einstiegsgeraete beginnen bei etwa 1500 USD, waehrend automatisierte Systeme mit Datenprotokollierung, Mehrpunktscan sowie AC-, DC- und IR-Funktionen typischerweise zwischen 5000 USD und 15000 USD liegen.
- Basis, manuell: 1500 USD bis 3000 USD.
- Programmierbar, Labor: 4000 USD bis 8000 USD.
- Automatisiert, Produktion: ueber 10000 USD.
4. Kann ein Multimeter fuer Hi-Pot-Tests verwendet werden? Nein. Ein Standardmultimeter nutzt eine 9-V-Batterie zur Widerstandsmessung und kann die Isolierung damit nicht belasten. Ein Hi-Pot-Tester erzeugt dagegen Tausende Volt, um Schwachstellen aufzudecken, die ein Multimeter nur als offenen Stromkreis sehen wuerde.
- Multimeter: Niederspannung unter 12 V.
- Hi-Pot: Hochspannung ueber 1000 V.
- Megger: Hochspannung von 500 V bis 1000 V, misst aber Widerstand und nicht den Durchschlag.
5. Was bewirkt die Lichtbogenerkennung? Die Lichtbogenerkennung ueberwacht hochfrequente Stromschwankungen, die auf einen sich anbahnenden Lichtbogen oder Koronaentladung vor dem vollstaendigen Durchschlag hinweisen.
- Hilft bei der Erkennung loser Verbindungen.
- Erkennt grenzwertige Isolationsluecken.
- Die Empfindlichkeit ist meist in Stufen von 1 bis 9 einstellbar, um Fehlabschaltungen durch Umgebungsrauschen zu vermeiden.
6. Warum muessen MOV vor dem Test entfernt werden? Metalloxid-Varistoren dienen als Ueberspannungsschutz und leiten Spannungsspitzen gegen Erde ab. Werden 1500 V auf einen 300-V-MOV gegeben, tut er genau das, wofuer er gedacht ist, und kurzschliesst die Strecke, was zum Hi-Pot-Fehler fuehrt.
- Loesung 1: Einen hoeher spannungsfesten MOV verwenden, falls das Design es zulaesst.
- Loesung 2: MOV erst nach dem Test bestuecken.
- Loesung 3: MOV waehrend des Tests per Jumper trennen.
7. Wie oft sollte ein Hi-Pot-Tester kalibriert werden? In der Industrie gilt eine jaehrliche Kalibrierung, also alle 12 Monate, durch ein akkreditiertes Labor als Standard. Eine Funktionsverifikation mit bekanntem Widerstand sollte dennoch taeglich oder zu Beginn jeder Schicht erfolgen.
- Kalibrierung: jaehrlich, rueckfuehrbar auf nationale Standards.
- Verifikation: taeglich als Funktionspruefung.
8. Wie lange dauert die Einrichtung einer Hi-Pot-Station typischerweise? Wenn die Ausruestung verfuegbar ist, benoetigt die Einrichtung 1 bis 2 Tage fuer Programmierung und Sicherheitsvalidierung. Wenn eine neue Sondervorrichtung oder ein automatisierter Tester bestellt werden muss, liegen die Lieferzeiten meist zwischen 4 und 8 Wochen.
- Standardgeraet: Lieferung in 1 Woche.
- Sondervorrichtung: 4 bis 6 Wochen.
- Programmierung und Validierung: 1 bis 2 Tage.
Glossar mit Schluesselbegriffen
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Durchschlag | Katastrophaler Isolationsausfall, bei dem der Strom frei durch das Material fliesst. |
| Geraet Klasse I | Produkt mit Schutzerdungsanschluss, typischerweise mit dreipoligem Stecker. |
| Geraet Klasse II | Produkt mit doppelter Isolierung und ohne Schutzerdung, typischerweise mit zweipoligem Stecker. |
| Kriechstrecke | Kuerzester Abstand zwischen zwei leitfaehigen Teilen entlang der Oberflaeche der Isolierung. |
| Dielektrikum | Isoliermaterial, das den elektrischen Stromfluss hemmt. |
| Haltezeit | Zeitspanne, in der die volle Pruefspannung am Pruefobjekt anliegt. |
| Ueberschlag | Elektrischer Lichtbogen ueber der Oberflaeche der Isolierung, also Luftentladung. |
| GFI | Sicherheitsfunktion des Testers, die abschaltet, wenn Strom auf den Bediener abfliesst. |
| Leckstrom | Kleine Strommenge, die waehrend des Tests durch die Isolierung fliesst. |
| Rampenzeit | Zeit, die benoetigt wird, um die Spannung von 0 V auf die Zielpruefspannung anzuheben. |
| Rueckfuehrkabel | Bezugskabel, meist schwarz, das mit Gehaeuse oder Erde des Pruefobjekts verbunden ist. |
| Abschaltstrom | Maximal zulaessiger Strom; bei Ueberschreitung ergibt sich ein Fehlerergebnis. |
| Typpruefung | Anspruchsvolle Pruefung an einem Prototyp mit laengerer Dauer und hoeherer Spannung. |
| Routinepruefung | Schnellere Pruefung, die an 100 Prozent der Produktionseinheiten erfolgt. |
Fazit und naechste Schritte
Ein robustes Hi-Pot-Testverfahren ist fuer die elektrische Sicherheitskonformitaet nicht verhandelbar. Nur damit laesst sich sicherstellen, dass die Isolierung des Produkts die Belastungen des realen Einsatzes ohne Gefahr fuer den Benutzer aushaelt. Wer die passenden AC- oder DC-Parameter waehlt, realistische Leckstromgrenzen auf Basis von Daten setzt und strenge Sicherheitsverriegelungen durchsetzt, macht aus einer regulatorischen Pflicht ein verlaessliches Qualitaetstor.
Um sicherzustellen, dass Ihre PCB-Baugruppen diese anspruchsvollen Anforderungen erfuellen, sollte Ihr Fertigungspartner die Hi-Pot-Pruefung direkt in seine Prozesse zur PCB-Qualitaet integrieren.